Wir armen Raucher haben es schon schwer

Silke hat ja in letzter Zeit sehr ausführlich und erfolgreich über das neue Nichtraucherschutzgesetz berichtet (da, da, da, da und da). Ich hatte mich bislang eher zurückgehalten da ich auch rauche und für mich gehört die Zigarette zum Weißbier dazu, besonders in Lokalen. Allerdings muss ich mich jetzt dann doch mal einmischen.

Und zwar geht es um den Kommentar der Frankenlady. Ich will sie nicht kritisieren in keinster Weise, aber das was sie schreibt schießt dann doch den Vogel ab. Konkret geht es um zwei Äußerungen die einfach widerlegt werden müssen.

…Und der Vergleich mit Alkohol ist gar nicht so weit hergeholt! Ganz im Gegenteil: Alkohol ist viel gefährlicher als Zigaretten! Oder hat schon je irgendjemand folgende Schlagzeile in der Tagespresse gelesen?

“Autofahrer reißt junge Diskobesucher wg Rauchen einer Zigarette in den Todâ€?

Wohl eher nicht. Aber betrunkene Autofahrer waren schon oft für tödliche Verkehrsunfälle verantwortlich. Betrunkene können randalieren und andere körperlich gefährden!

Nun gut was soll man dazu sagen. Der Vergleich mit Alkohol hinkt vollkommen. Wie sagt man „der Tod kommt auf leisen Sohlen“ so ist es beim Krebs. Menschen sind jahrelang kerngesund und kaum geht man wegen vermeintlichen Magen Problemen zum Arzt und dieser stellt Krebs im Endstadium fest. Wenige Tage später liest man ihre Todesanzeige. Das ist in meiner Umgebung genau so passiert.

Da liegt das Problem mit dem rauchen, ein betrunkener randaliert und gefährdet Menschen unmittelbar und für alle sichtbar. Krebs tötet im Verborgenen. Wenn man den Vergleich Raucher zu Alkohol in Bezug auf tödliche Verkehrsunfälle doch anstellen will. Dann sollte man illegal mit illegal vergleichen. Kiffen und Auto fahren ist genauso verboten wie saufen und fahren. Bekiffte Fahrer sind für den Straßenverkehr mindestens genauso gefährlich wie betrunkene. So liest man bei Don’t drug an drive folgendes

  • Von insgesamt 327.984 Unfällen mit Personenschaden sind nachweislich 1.320 Unfälle auf den Einfluss berauschender Mittel zurückzuführen (Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle Fachserie 8, Reihe 7, 2006).
  • 2006 wurden durch Drogenfahrten (Teilnahme am Straßenverkehr unter Einfluss illegaler Drogen) nachweislich rund 600 Personen getötet oder schwer verletzt (Statistisches Bundesamt Verkehrsunfälle Fachserie 8, Reihe 7, 2006).
  • Bei den 123.351 schwerwiegenden Unfällen mit Sachschaden war nachweislich in 764 Fällen der Einfluss berauschender Mittel die Ursache (Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle Fachserie 8, Reihe 7, 2006).

Na Frankenlady schon was gemerkt, hättest du denn gedacht das das soviele sind? Kommen wir also zu deiner zweiten Behauptung.

…Sonst müsste ja JEDER Raucher spätestens mit 40 Jahren an Lungenkrebs etc sterben! Und? Tun sie das? NEIN.

Wieso nur Lungenkrebs, die meisten Raucher sterben nicht an Krebs sondern an Herz-Kreislauferkrankungen. Noch mehr Fakten gefällig? Bitte schön:

Das Rauchen löst aber viele verschiedene Krebserkrankungen aus. 25-30 Prozent aller Krebs-Todesfälle sind direkt auf das Rauchen zurückzuführen. Wer 1-9 Zigaretten täglich raucht, stirbt statistisch gesehen 4-mal häufiger an Lungenkrebs als ein Nichtraucher. Bei 10-19 Zigaretten ist das Risiko schon 7-mal so hoch.
Starkraucher, die mehr als 30 Zigaretten am Tag rauchen, sterben 20-mal so häufig an Lungenkrebs wie Nichtraucher. Allein die Zunahme an Lungenkrebs in den letzten Jahrzehnten (250% in den letzten 50 Jahren) macht die medizinischen Fortschritte in der Heilung von Krebserkrankungen zahlenmäßig wieder zunichte. Nimmt man den Lungenkrebs aus der Statistik heraus, zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Krebs-Heilungsquoten.
An allen Stellen im Körper, die direkt mit dem eingeatmeten Rauch in Kontakt kommen, kann Krebs entstehen: Mundhöhle, Kehlkopf, Lunge und Speiseröhre. Hier gehen 90 Prozent aller Krebsfälle auf das Konto des Tabaks. Aber auch andere Organe entwickeln bei Rauchern öfter Krebs, was auf die Verteilung der krebserregenden Inhaltsstoffe mit dem Blutstrom zurückzuführen ist. Folgende Krebsarten treten bei Rauchern öfter auf: Bauchspeicheldrüsekrebs, Harnblasenkrebs, Nierenkrebs, Magenkrebs, Knochenmarkkrebs, bei Frauen auch Gebärmutterhalskrebs.
Bei allen Krebsarten steigt das Risiko mit der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten, der Anzahl der Jahre, die geraucht wurde, und dem Typ der gerauchten Zigaretten bzw. Zigarren und Pfeifen. Das Risiko beginnt sofort zu sinken, nachdem der Raucher aufgehört hat. Nach 10 Jahren Nichtrauchen ist es nur noch wenig höher als bei Menschen, die nie geraucht haben. (Quelle: Krebsgesellschaft)

Die meisten Raucher haben sicher Angst vor Krebs doch in den USA sind 1998 ca. 40% der Todesfälle auf Herz-Kreislauferkrankungen zurückzuführen. Zum Vergleich: 23,1 Prozent starben an Krebs, 4,2 Prozent bei Unfällen (Quelle: American Heart Association).

Soviel dazu das Rauchen nicht schädlich sei und Alkohol viel gefährlicher sei. Das musste mal geschrieben werden. Ich möchte aber abschließend (versprochen) dann noch kurz was zu den Rauchverboten loswerden. Wir waren letztens in Henrys Coffee World in Augsburg. Sicher wäre die Kippe zum Kaffee schön, aber ich habe mir gesagt das ich mich nicht von meiner Sucht lenken lassen will und hab zwei Stunden aufs Rauchen verzichtet. Auch im Büro rauche ich nur in der Mittagspause eine (!) . Es sollte doch jeder Raucher mal beobachten wie er/sie sich von der Sucht lenken und beeinflussen lässt. Eigentlich erschreckend. Mancher Raucher würde mir sicher zustimmen das er ausflippt wenn er absolut keine rauchen kann (zb weil keine da sind). Eigentlich erschreckend das ganze, vielleicht überleg ich mir das auch mit dem aufhören, spätestens nach dem Studium.

5 Gedanken zu „Wir armen Raucher haben es schon schwer“

  1. Statistik…

    *Von insgesamt 327.984 Unfällen mit Personenschaden sind nachweislich 1.320 Unfälle auf den Einfluss berauschender Mittel zurückzuführen (Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle Fachserie 8, Reihe 7, 2006).*

    heisst das dann nicht, das mit Rauschmitteln VIEL weniger Unfälle passieren als ohne? Die wirklich gefährlichen sind doch die Nüchternen, oder?

    SCNR

    (man kann natürlich davon ausgehen, daß sehr viel weniger „Rauschfahrten“ als „Nüchternfahrten“ getätigt werden, aber diese beiden Werte fehlen mir irgendwie in der Statistik und schränken ihre Aussagekraft ein)

  2. Die Zahlen sollen zum Ausdruck bringen das auch mit Drogen berauscht am Verkehr teilzunehmen sehr wohl zu Toten führen kann. Und das auch Drogenkonsum im Straßenverkehr tödlich enden kann.

    1320 Unfälle wegen berauschender Mittel (=Alkohol und Drogen) davon 600 Menschen getötet oder schwerverletzt bei Unfällen bei denen nur Drogen im Spiel waren (=Kein Alkohol nur Drogen)

  3. „Drogenkonsum“ spielt offenbar eine größere Rolle, als es in den Medien oft verkürzt dargestellt wird.

    Es gab 2005 in Deutschland etwa 55 Millionen zugelassene Kraftfahrzeuge. Bei einer Bevölkerung von so irgendwo bei 80 Millionen kann man davon ausgehen, dass die Hälfte einen Führerschein besitzt. Ungefähr 40 Millionen Verkehrsteilnehmer. Die versursachen jährlich ca. grosszügige 350 000 Unfälle mit Personenschaden (zynisches Wort, oder). Unter 1% baut also einen schlimmen Unfall. Bei dem gefühlten Chaos auf deutschen Strassen anscheinend doch ein recht sicheres Fortbewegungsmittel… 2005 war jedenfalls (laut statistischem Bundesamt) ein historischer Tiefstand bei der Anzahl der Verkehrstoten zu verzeichnen. 1970 kamen bei einer Fahrzeuganzahl von etwa 20 Millionen über 20 000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. 2005 waren es bei über 55 Millionen Fahrzeugen „nur noch“ etwas über 5000.

    Autofahren wird also eigentlich immer sicherer.

    Schätzungen gehen von 2 Millionen Kiffern in Deutschland aus. Rechnet man die ganzen Alkoholiker und Tablettensüchtigen dazu, hmm… 4 Millionen? Dunkelziffer?

    Aber ok. Ich hab bei den Führerscheinen auch Fifty-Fifty gemacht. Deshalb: 2 Millionen Drogies und 38 Millionen Nüchterne unterwegs. 350 000 Unfälle mit Personenschaden, davon etwa 5000 Unfälle unter Drogeneinfluss. Polemische 95% zu 98,5%…

    Die explizite Erwähnung von Drogen im Zusammenhang von Unfalltoten erscheint mir propagandistisch. Autofahren an sich ist gefährlich genug, unter Drogeneinfluss natürlich um so mehr. Aber die Verhältnismäßigeit der Gefahreneinschätzung scheint überhaupt nicht zu stimmen.

  4. „Allein die Zunahme an Lungenkrebs in den letzten Jahrzehnten (250% in den letzten 50 Jahren) […]“

    Ach, und vor 1958 wurde nicht geraucht oder was?
    Soviel zum Thema Statistik.
    _________

    Dieser „Frei“staatliche Anti-Raucher-Fanatismus beweist wieder einmal, dass Grundrechte, bürgerliche Freiheiten und ähnliche demokratische Schmankerln nicht viel wert sind, sobald jemand laut genug herumschreit, dass irgendwe oder irgendwas irgendwovor „geschützt“ werden müsse (siehe auch: Schnüffel- und Ãœberwachungsstaat „zur Terrorismusbekämpfung“).

    Am besten sollte man das Lachen gleich mitverbieten: die beim Lachen entstehenden Lärmemissionen sind zweifellos auch für irgendwen „gesundheitsgefährdend“, zumal sie plötzlich aufzutreten pflegen; irgendein „wissenschaftlicher Gutachter“, der genau das wunschgemäß behauptet, wird sich schon finden.

    Ich könnte kotzen. Aber womöglich ist das ja auch schon verboten.

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