Rucksackwissen: Bäume und Sträucher, Obst und Gemüse

Nicht die Größe sondern die Art der Verzweigung entscheidet darüber, ob man von einem Baum oder einem Strauch spricht. Ein Baum besitzt normalerweise einen zentralen Stamm, von dem die Äste abgehen. Ein Strauch wächst hingegen vom Boden an in mehreren Ästen hoch.
Die Größe ist daher kein zuverlässiges Kriterium. Die sibirische Sitkafichte ist zweifellos ein Baum, obwohl sie nur 25 cm hoch wächst. Der Holunderstrauch kann demgegenüber bis zu acht Meter hoch werden. [Illustrierte Wissenschaft, Nr. 2, Februar 1996]

Zwar wissen alle, dass Gurken Früchte sind. Dennoch bezeichnen wir Gurken als Gemüse. In manchen Fällen ist die Zuordnung gar nicht so leicht. Worin besteht der Unterschied?
Im Alltag trennen wir nur sehr unscharf zwischen Frucht zumeist im Sinne von Obst und Gemüse. Dies erklärt sich vor allem daraus, dass die beiden Wörter eine Mischung aus botanischen Fachbegriffen und Handelsbezeichnungen sind.
Für Botaniker ist eine Frucht das, was aus dem Fruchtknoten entsteht, nachdem die Blüte bestäubt worden ist. Dies gilt für Äpfel, Birnen, Bananen, Orangen und verschiedene Beeren.
Komplizierter ist die Abgrenzung beim Gemüse. Die Bezeichnung Gemüse ist kein botanischer Begriff; sie ist vielmehr ein handelstechnischer Ausdruck für jene essbaren Pflanzenteile, die keine Früchte sind.
Dazu gehören Wurzeln wie Kartoffeln, Radieschen und Möhren, aber auch Blätter wie Kohl und Salat. Außerdem bezeichnen wir als Gemüse ganze Pflanzen wie Lauch und Blattsellerie oder Blütenstände und Knospen wie Brokkoli und Kapern. Problematisch wird es, wenn wir Früchte in die Kategorie Gemüse einreihen: Beispiele sind Zucchini, Kürbisse und Gurken.
Diese Begriffsverwirrung tritt zumeist dann auf, wenn die Namen der Alltagsfrüchte mit ihren botanischen Bezeichnungen unter einen Hut gebracht werden sollen.
So operieren Botaniker mit mehreren, aber völlig verschiedenen Fruchtbezeichnungen. Beeren etwa sind saftig und enthalten viele kleine Samen; Steinfrüchte sind ebenfalls saftig, haben im Kern jedoch nur einen einzelnen großen, harten Samen. Kapseln enthalten viele Samen, Nüsse nur einen einzelnen Samen.
Leider ist das „Fruchtvokabular“ der Umgangssprache reich an Ungereimtheiten und Widersprüchlichem: So sind Bananen, Melonen und Gurken im botanischen Sinne Beeren.
Bei den Erdbeeren handelt es sich im botanischen Sinne nicht um Beeren sondern um Sammelnussfrüchte. Die eigentlichen Früchte der Erdbeerpflanze sind nämlich die kleinen, braunen Nüsse, die an der Oberfläche der roten Beere sitzen.
Dagegen ist weder die Kokos- noch die Walnuss eine Nuss, sondern eine Steinfrucht, bei der aber nicht das Fruchtfleisch, sondern der Samen verspeist wird. [Illustrierte Wissenschaft, Nr. 10, November 1992]

2 Gedanken zu „Rucksackwissen: Bäume und Sträucher, Obst und Gemüse“

  1. Hallo,

    ich danke Ihnen für die wissenschaftliche Darstellung einiger Fehlinformationen bezüglich Pflanzen/Natur, die immer wieder kursieren.
    Fragen Sie lieber nicht, wie oft ich erklären musste, wann es sich um einen Baum oder Strauch handelt, wann Dornen Dornen sind und wann Stacheln, etc etc etc…
    Ich werde Ihren Eintrag weitergeben, sodass sich so mancher besser informiert fühlt 😉

    Viele Grüße
    Tommy

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